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Biologische Schädlingsbekämpfung

Biologische Schädlingsbekämpfung für Zimmerpflanzen: haustierfreundliche Lösungen

Dirk Dooms
Dirk Dooms
Autor
24. Januar 2026
15 Min. Lesezeit

Einführung – Warum biologisch?

Wer Zimmerpflanzen hat und mit Haustieren zusammenlebt, kennt das Dilemma: Wie bekämpft man Schädlinge, ohne Hunde, Katzen oder andere Fellnasen zu gefährden? Biologische Schädlingsbekämpfung ist eine sichere, natürliche Alternative zu chemischen Sprays. Dabei setzt man lebende Nützlinge ein – zum Beispiel Raubinsekten, Raubmilben oder Nematoden – die Schädlinge gezielt reduzieren und das Zuhause frei von problematischen Rückständen halten. Ich pflege seit Jahren einen haustierfreundlichen Indoor-Dschungel und habe sehr gute Erfahrungen mit Produkten einer Firma namens Rootsum gemacht (dieser Beitrag ist nicht gesponsert – ich teile hier einfach meine Erfahrungen). Biologische Lösungen können sehr wirksam und nachhaltig sein und treffen vor allem den Schädling – nicht die Pflanze (und erst recht nicht die Tiere).

Trotzdem: Natürliche Schädlingskontrolle ist kein Zaubertrick über Nacht. Sie wirkt oft etwas langsamer als ein chemisches Spray und verlangt ein wenig Geduld und Beobachtung. Du kannst Nützlinge ausbringen und trotzdem noch ein bis zwei Wochen Schädlinge sehen, während sich das Gleichgewicht einpendelt. Außerdem können die Einstiegskosten höher sein – ein Röhrchen Raubmilben kostet manchmal mehr als eine Flasche Insektizid. Trotz dieser Nachteile ist der Gewinn groß: ein sichereres Zuhause und häufig eine langfristige Reduktion der Schädlingslast. Biologische Bekämpfung ist selten eine einmalige Aktion – eher ein regelmäßiger Rhythmus aus Beobachten, kleinen Pflegeschritten und Geduld. Unten schauen wir uns fünf häufige Schädlinge an Zimmerpflanzen an und wie ich sie biologisch mit den pet-safe Lösungen von Rootsum in den Griff bekommen habe. Zu jedem Schädling: worauf du achten solltest und welche natürlichen Gegenspieler den Lebenszyklus durchbrechen (und ja: auch wenn es etwas länger dauert – es funktioniert wirklich!).

Vorteile biologischer Schädlingsbekämpfung (haustierfreundlich)

  • Sicher für Haustiere und Familie: keine schädlichen Rückstände oder Toxine auf den Pflanzen.

  • Wirksam und gezielt: Nützlinge suchen Schädlinge aktiv und fressen sie – oft bis die Population wirklich zusammenbricht.

  • Umweltfreundlich: im Einklang mit der Natur – keine chemische Belastung und ein natürlicheres Gleichgewicht im Wohnraum.

  • Nachhaltiger Ansatz: weniger Resistenzprobleme und teils vorbeugender Schutz, wenn sich Nützlinge etablieren.

Nachteile, die man einplanen sollte

  • Langsamere Wirkung: Ergebnisse können Tage bis Wochen brauchen; Schädlinge verschwinden nicht sofort.

  • Höhere Einstiegskosten: Nützlinge und Nematoden sind manchmal teurer als klassische Sprays.

  • Abhängigkeit von Bedingungen: Viele Nützlinge brauchen passende Luftfeuchte oder Temperaturen (zu trocken oder zu warm kann ihre Leistung mindern). Bei starkem Befall sind oft mehrere Ausbringungen sinnvoll.

  • Man sieht „mehr Krabbeltiere“: Du setzt bewusst Insekten aus (hilfreiche!) – das ist für manche erst einmal eine Umstellung.

Lass dich davon nicht entmutigen. Aus meiner Erfahrung lohnt es sich. Schauen wir uns jetzt die einzelnen Schädlinge an – und wie du sie natürlich bekämpfst, ohne Pflanze oder Tier zu gefährden.

Trauermücken (Fungus Gnats / Sciaridae)

Worauf du achten solltest

Wenn winzige schwarze Fliegen um deine Töpfe schwirren oder über die Erde laufen, hast du wahrscheinlich Trauermücken. Die adulten Tiere wirken wie Mini-Mücken und sind etwa 2–3 Millimeter lang. Sie stechen nicht und schädigen die Blätter meist nicht direkt – problematisch sind ihre Larven. Diese leben im Substrat und fressen organisches Material und teils auch feine Wurzeln. Befallene Pflanzen wirken oft schlapp oder gelblich, obwohl du eigentlich richtig gießt – besonders bei Sämlingen, Stecklingen oder jungen Pflanzen.

Wenn du die obere Erdschicht kontrollierst, kannst du manchmal schlanke, weißliche Larven finden (5–6 Millimeter lang, mit dunklem Kopf). Trauermücken lieben gleichmäßig feuchte Erde mit viel zersetzendem Material, deshalb sind übergossene Zimmerpflanzen besonders anfällig. Ein typisches Zeichen: Auf gelben Klebefallen knapp über der Erdoberfläche kleben schnell dutzende kleine Fliegen.

Trauermücken

Biologische Bekämpfung

Der Schlüssel ist, den Lebenszyklus im Substrat zu durchbrechen. Meine Standardlösung sind Nematoden – konkret Steinernema feltiae, bei Rootsum als „Stenema“ gegen Trauermücken erhältlich. Diese mikroskopisch kleinen Fadenwürmer jagen Trauermückenlarven in der Erde, infizieren sie und töten sie in rund 48 Stunden. Du gießt sie einfach mit dem Wasser aus (sie kommen als Pulver zum Anrühren) – für Pflanzen und Haustiere sind sie harmlos, für die Larven aber tödlich.

Für den „Doppelschlag“ setze ich zusätzlich Raubmilben im Substrat ein: Rootsum „Hypoaspis“ (auch bekannt als Stratiolaelaps scimitus). Sie streifen durch die obere Erdschicht und fressen Eier und Larven. Diese Milben können sich im Substrat etablieren und bieten eine Art Dauer-Schutz, solange gelegentlich Beute vorhanden ist.

Um die adulten Mücken zu fangen und die Entwicklung zu beobachten, nutze ich außerdem gelbe Klebefallen. Rootsum hat sogar dekorative Varianten („Fixsum“), die sich optisch gut in Töpfe einfügen. Die adulten Tiere werden vom Gelb angezogen, bleiben kleben – und der Brutkreislauf wird gebremst.

Mit dieser Kombination – Nematoden, Substrat-Raubmilben und Fallen – habe ich Trauermücken auf natürliche Weise in den Griff bekommen. Pet-safe und effektiv. Wichtig bleibt trotzdem: Gieße eher zurückhaltend und lass die oberste Erdschicht zwischen den Wassergaben leicht antrocknen – das macht es Trauermücken deutlich schwerer, Eier abzulegen.

Thripse

Worauf du achten solltest

Thripse sind winzig und schlank (adulte Tiere oft nur etwa 1 Millimeter lang) und deshalb schwer zu entdecken – ihre Schäden sind aber typisch. Befallene Blätter zeigen oft unregelmäßige silbrige Streifen oder Flächen, als wäre die Farbe in feinen Linien „abgeschabt“. Dieses Silbern entsteht, weil Thripse die Oberfläche anritzen und Zellinhalte aussaugen. Häufig sieht man außerdem schwarze Pünktchen wie Pfeffer, besonders auf der Blattunterseite – das sind Kotspuren.

Neuaustrieb kommt oft verkrüppelt oder geknittert heraus, und Blütenblätter können Streifen oder braune Stellen bekommen, wenn Thripse an den Blüten fressen. Wenn du ein betroffenes Blatt über weißem Papier ausschüttelst, fallen manchmal einige gelbliche oder dunkle Thripse heraus und krabbeln los. Sie sind schnell und können sogar ein Stück springen. Im Gegensatz zu Spinnmilben bilden Thripse keine Gespinste – silbrige Narben + schwarze Kotpunkte ohne Weben ist daher ein guter Hinweis. Thripse verstecken sich gern in Knospen und Blattachseln und können auch im Substrat verpuppen – dadurch werden sie oft hartnäckig.

Thripse

Biologische Bekämpfung

Thripse können zäh sein, deshalb setze ich auf eine Kombination. Zuerst kommen Raubmilben zum Einsatz, die auf Thripse spezialisiert sind. Rootsum „Cucu-mite“ enthält Amblyseius cucumeris (auch Neoseiulus cucumeris genannt), kleine hellbraune Raubmilben, die vor allem Thripslarven auf der Pflanze fressen. Man bringt sie auf den Blättern aus (oft als Streudose oder in Säckchen), und sie reduzieren die jungen Stadien, bevor diese erwachsen werden. Das ist eine eher kontinuierliche, vorbeugende Kontrolle – kann aber ein paar Wochen brauchen, bis sie richtig greift.

Für einen schnelleren Effekt bei aktivem Befall setze ich zusätzlich Orius ein (die „Piratenwanze“, Rootsum „Orius“). Das sind kleine schwarz-orange Räuber, die Thripse in allen Stadien jagen und töten – auch adulte Tiere. Man kann sie als „Spezialeinheit“ sehen: Ein Orius frisst viele Thripse und packt oft auch andere Schädlinge mit an, wenn er sie findet.

Außerdem bietet Rootsum „Felti-care“ Nematoden (Steinernema feltiae) gegen Thripse an – denn Thripse verpuppen sich häufig in der Erde. Diese Nematoden können die Bodestadien ähnlich treffen wie Trauermückenlarven. Ich behandle daher oft das Substrat mit Nematoden, während ich gleichzeitig Räuber auf den Blättern ausbringe – so erwischst du Thripse in jedem Abschnitt ihres Lebenszyklus.

Nach ein paar Wochen sehe ich meist, dass neue Blätter wieder sauber austreiben (keine neuen Silbernarben) und die Zahl der adulten Thripse deutlich sinkt. Wichtig: Auch Florfliegenlarven (weiter unten) fressen Thripse, aber sie erwischen nicht immer die schnellsten adulten Tiere. Für Thripse hat sich die Kombination aus Raubmilben + Orius in meinem pet-safe Setup als besonders zuverlässig erwiesen. Und ja: Geduld ist entscheidend – oft ist eine zweite Raubmilben-Runde nach etwa einem Monat sinnvoll, weil Thripse sich schnell vermehren.

Spinnmilben

Worauf du achten solltest

Spinnmilben sind für viele Zimmerpflanzenfans der Horror: Diese winzigen Saftsauger können eine üppige Pflanze in ein gesprenkeltes Trauerspiel verwandeln. Am Anfang siehst du oft eine feine Sprenkelung – kleine gelbe oder helle Punkte, wie winzige Nadelstiche. Mit zunehmendem Befall wirken Blätter matt, gesprenkelt, rollen sich am Rand ein, vergilben und können schließlich abfallen.

Das sicherste Zeichen (vor allem bei trockener Luft) ist das Gespinst. Schau genau hin: feine, seidige Fäden auf der Blattunterseite, in Blattachseln oder gespannt zwischen Blatt und Stiel. Das sieht aus wie extrem feines Spinnennetz. In den Fäden erkennt man manchmal kleine „Pünktchen“ – das sind die Milben oder ihre Eier.

Ein praktischer Test: Klopfe ein betroffenes Blatt über einem weißen Blatt Papier aus. Was wie Pfefferstaub aussieht, beginnt plötzlich zu krabbeln – hunderte fast mikroskopisch kleiner Milben. Spinnmilben lieben warme, trockene Luft, weshalb Winterheizungen Ausbrüche begünstigen. Häufig sind sie rötlich oder gelblich mit dunklen Punkten (die „Zweipunkt-Spinnmilbe“). Wenn Blätter marmoriert aussehen und du auch nur einen Hauch von Gespinst siehst, sind Spinnmilben sehr wahrscheinlich.

Spinnmilben

Biologische Bekämpfung

Die beste Abwehr sind natürliche Feinde: Raubmilben, die Spinnmilben regelrecht „zum Frühstück“ fressen. Ich nutze Rootsum „Phyto-mite“ mit Phytoseiulus persimilis, einer spezialisierten Raubmilbe gegen Spinnmilben. P. persimilis ist rötlich und sehr flink; jede einzelne kann täglich dutzende Spinnmilben und Eier fressen und damit die Vermehrung der Schädlinge überholen. Unter passenden Bedingungen vermehren sich diese Raubmilben sogar schneller als Spinnmilben und kennen nur ein Ziel: suchen und vernichten.

Ich streue Phyto-mites direkt auf das Laub in der Nähe der Befallsstellen – mit einer Lupe kann man sie manchmal sogar über die Blätter flitzen sehen. Innerhalb weniger Tage stechen sie die Spinnmilben an und saugen sie aus; häufig ist ein Herd innerhalb von ein bis zwei Wochen stark reduziert.

Für längerfristigen Schutz – besonders wenn es warm oder trocken ist – gibt es bei Rootsum außerdem „Californicus“ (als Forni-mite oder als Langzeit-Säckchen wie Soni-mite). Neoseiulus californicus kommt mit niedrigerer Luftfeuchte besser zurecht und kann länger ohne Beute überleben. Das hilft, Rückfälle zu verhindern, wenn der Hauptbefall bereits gebrochen ist. Auf größeren Pflanzen hänge ich solche Säckchen manchmal vorbeugend auf.

Zusätzlich können Florfliegenlarven (Rootsum „Chrysop“) als Generalisten auch Spinnmilben fressen, wobei die Spezial-Raubmilben bei starkem Befall meist effizienter sind. Mit Phyto-mite habe ich erlebt, wie Spinnmilbenpopulationen regelrecht einbrechen: Blätter, die zuvor immer schlechter wurden, stabilisieren sich – und Neuaustrieb kommt wieder sauber. Ein Tipp: Raubmilben mögen es leicht feuchter; sanftes Besprühen oder ein Luftbefeuchter in der Nähe (ohne Übertreiben, etwa 50 Prozent relative Luftfeuchte) kann die Wirkung verbessern. Und natürlich hilft es, die Pflanze gelegentlich mit klarem Wasser abzuduschen, um Milben mechanisch zu entfernen (mach das aber vor dem Ausbringen der Nützlinge, sonst spülst du sie gleich mit weg).

Unterm Strich: Raubmilben sind ein echter Gamechanger gegen Spinnmilben – haustierfreundlich, für uns fast unsichtbar, aber gnadenlos gegen die Schädlinge. Oft ist ein Ausbruch durch natürliche Prädation in zwei bis drei Wochen deutlich unter Kontrolle.

Schmierläuse (Wollläuse)

Worauf du achten solltest

Schmierläuse sind vermutlich am leichtesten zu erkennen: Sie zeigen sich als kleine, weiße, watteartige „Flocken“ an der Pflanze. Oft fallen zuerst weiße Fussel in Blattachseln, entlang der Stängel oder unter den Blättern auf. Das sind in Wirklichkeit Kolonien von Schmierläusen, die mit einem wachsigen Faden bedeckt sind. Wenn du sie berührst, fühlt es sich häufig klebrig an.

Tatsächlich werden Blätter oder Oberflächen rund um die Pflanze oft klebrig durch Honigtau – den zuckerhaltigen Ausscheidungen der Schmierläuse. Blätter können glänzende Stellen bekommen, und mit der Zeit kann sich auf dem Honigtau schwarzer Rußtau bilden. Früh im Befall wirken neue Blätter manchmal leicht eingerollt oder im Wachstum gebremst, während die typischen weißen Watteknäuel sichtbar sind. Bei mittlerem Befall vergilben Blattspitzen und es entstehen schwarze Schimmelpünktchen auf klebrigen Bereichen. In fortgeschrittenen Fällen findest du Schmierläuse sogar im Substrat oder am Topfrand (und wenn weiße Flocken nahe den Abzugslöchern hängen: Vorsicht vor Wurzelschmierläusen).

Schmierläuse saugen Pflanzensaft, daher zeigt starker Befall schwaches Wachstum, Blattfall und ein allgemeines Nachlassen der Vitalität. Anders als Schildläuse (flach und fest sitzend) wirken Schmierläuse flauschig und lassen sich vorsichtig verschieben oder abbürsten (auch wenn sie hartnäckig haften). Ameisen tauchen oft ebenfalls auf, angezogen vom Honigtau. Wenn deine Pflanze klebrig ist und weiße Watteflecken hat, sind Schmierläuse sehr wahrscheinlich.

Schmierläuse (Wollläuse)

Biologische Bekämpfung

Als ich Schmierläuse an meinen Orchideen und Hoyas entdeckt habe, wollte ich unbedingt auf chemische Sprays verzichten (mein neugieriger Kater hätte damit in Kontakt kommen können). Da kommt Cryptolaemus montrouzieri ins Spiel – die „Mealybug Destroyer“-Marienkäferart, deren Larven Schmierläuse regelrecht erledigen. Rootsum bietet sie als „Crymo“-Larven an (das ist tatsächlich das Larvenstadium von Cryptolaemus). Spannend: Die Larven sehen selbst wie übergroße Schmierläuse aus (Camouflage), aber statt die Pflanze zu schädigen, fressen sie die Schmierläuse.

Eine Crymo-Larve kann bis zu 30 Schmierläuse pro Tag vertilgen und frisst alle Stadien – Eier, Nymphen und adulte Tiere. Ich setze die Larven in der Nähe der Befallsstellen aus (manchmal mit einer kleinen Ausbringbox, manchmal direkt auf ein befallenes Blatt). Sie bewegen sich langsam, aber zuverlässig – und du siehst, wie die weißen Watteknäuel nach und nach verschwinden. Nach einigen Wochen verpuppen sich die Larven; die adulten Cryptolaemus-Käfer (kleine bräunliche Marienkäfer) fressen zwar auch Schmierläuse, aber die Larven sind die eigentlichen Stars der “Aufräumarbeit”.

Zusätzlich setze ich manchmal grüne Florfliegenlarven (Rootsum „Chrysopa“) auf die Pflanze. Florfliegenlarven sind Generalisten („Blattlauslöwen“) und machen auch vor Schmierläusen nicht halt. Sie haben kräftige Kiefer, stechen weiche Schädlinge an und saugen sie aus. Zusammen sind Cryptolaemus-Larven und Florfliegenlarven extrem effektiv – fast wie ein kleines Räuberteam. Ich habe gesehen, wie Schmierlauspopulationen in ein bis zwei Wochen deutlich zurückgingen.

Ein weiterer Pluspunkt: Marienkäferlarven und Florfliegenlarven sind für Haustiere unproblematisch. Selbst wenn mal eine Larve von der Pflanze wandert, stellt sie keine Gefahr dar (und meistens bleiben sie dort, wo Futter ist). Nach der Behandlung wische ich Honigtau-Reste ab, um Schimmel zu verhindern und Ameisen nicht erneut anzulocken. Wichtig: Bei starkem Befall hilft es, stark befallene Pflanzenteile zuerst zurückzuschneiden – so gibst du den Nützlingen bessere Chancen. Und: Cryptolaemus mögen es wärmer (über 20 °C) und arbeiten in kühlen Räumen langsamer. Richtig eingesetzt sind Crymo & Co. ein haustierfreundliches „Einsatzkommando“ gegen Schmierläuse – ganz ohne Chemie.

Blattläuse

Worauf du achten solltest

Blattläuse sind häufige Saftsauger und sitzen gern auf frischem Neuaustrieb. Wenn du Ansammlungen kleiner, weicher Insekten (meist grün, aber auch schwarz, orange oder andersfarbig) an Triebspitzen, jungen Blättern oder Knospen siehst, sind das sehr wahrscheinlich Blattläuse. Es gibt flügellose und geflügelte Formen. Befall führt oft zu eingerollten oder verformten Blättern (besonders wenn Neuaustrieb nach innen oder nach unten krümmt) und gehemmtem Wachstum.

Blattläuse produzieren viel Honigtau – Blätter werden klebrig oder glänzend, und schwarzer Rußtau kann sich darauf entwickeln. Oft bemerkst du zuerst einen klebrigen Film auf unteren Blättern oder in der Umgebung, bevor du die Läuse überhaupt siehst. Ameisen sind ebenfalls ein Hinweis, da sie Blattläuse „melken“.

Blattläuse vermehren sich schnell – Weibchen können täglich lebende Junge gebären, was zu regelrechten Populations-Explosionen führt. So kann aus ein paar Läusen an einer Knospe innerhalb von ein bis zwei Wochen ein ganzer Trieb voller Tiere werden. Kontrolliere Blattunterseiten und zarte Stängel: Dort verstecken sie sich gern. Im Vergleich zu Thripsen oder Milben sind Blattläuse leichter zu entdecken, weil sie größer sind (1–3 Millimeter) und meist in Kolonien sitzen. Ohne frühes Eingreifen drohen Vergilbung, Blattfall und schwaches Wachstum.

Blattläuse

Biologische Bekämpfung

Zum Glück haben Blattläuse viele natürliche Feinde – und Rootsum bietet mehrere Optionen. Klassiker sind Marienkäfer. Marienkäfer oder ihre Larven können Blattläuse massiv reduzieren. Ich setze bevorzugt Larven ein, nicht adulte Käfer, weil Larven nicht wegfliegen – sie bleiben auf der Pflanze und fressen sich durch die Kolonie.

Rootsum liefert gezüchtete Marienkäferlarven, die du auf befallenen Pflanzen verteilen kannst. Sie sehen aus wie kleine schwarz-orange Alligatoren und fressen täglich dutzende Blattläuse (adulte Marienkäfer schaffen oft etwa 50 pro Tag). Es ist erstaunlich, wie schnell sie Kolonien “ausdünnen”.

Ein weiterer Top-Räuber ist die grüne Florfliege. Ich nutze Rootsum „Chrysop“ (Eier auf Kärtchen) oder „Chrysopa“ (Larven). Wenn die Eier schlüpfen, gehen die Larven („Blattlauslöwen“) los: Eine einzige Larve kann bis zu 50 Blattläuse an einem Tag fressen, indem sie sie mit hakenförmigen Kiefern packt und aussaugt. Als Generalisten fressen sie neben Blattläusen auch Schmierläuse, Thripse oder Milbeneier – ein echter Bonus für die Gesamt-Schädlingskontrolle.

Bei starkem Befall kombiniere ich gern: ein paar Kärtchen mit Florfliegeneiern plus einige Marienkäferlarven. So deckst du verschiedene Bereiche ab und erhöhst die “Fress-Power”.

Ein weiterer biologischer Helfer ist Aphidoletes aphidimyza, die Gallmücke (Rootsum verkauft sie als „Aphidoletes“). Das sind kleine Fliegen; ihre Larven jagen Blattläuse, indem sie ein lähmendes Gift injizieren und die Läuse anschließend aussaugen. Aphidoletes sind extrem wirksam (jede orangefarbene Larve kann nachts viele Blattläuse töten), funktionieren aber oft am besten in kontrollierteren Bedingungen (Gewächshaus, Terrarium) mit höherer Luftfeuchte. Für den normalen Wohnraum sind Marienkäfer und Florfliegen häufig unkomplizierter.

In meinem haustierfreundlichen Zuhause setze ich Florfliegenlarven besonders gern ein: Sie sind im Laub fast unsichtbar und lösen das Problem leise, aber effektiv. Ich habe erlebt, wie Triebspitzen, die komplett voller Blattläuse waren, nach wenigen Tagen wieder sauber wurden. Wenn Blattläuse verschwinden, verschwinden auch die Räuber (Florfliegen verpuppen sich und fliegen später weg; Marienkäferlarven werden zu Käfern und bleiben nur, wenn noch Nahrung da ist).

Praktischer Tipp: Du kannst viele Blattläuse vorher mit Wasser abspülen, um den Druck zu senken und den Räubern die Arbeit zu erleichtern. Vermeide chemische Sprays oder sogar Neem, wenn du Nützlinge ausbringen willst – Rückstände können ihnen schaden. Wenn nötig, nutze klares Wasser. Mit den natürlichen Blattlausfressern halte ich meine Pflanzen ohne Insektizide lausfrei – gut für die Tiere und auch für die Raumluft. Und es ist ehrlich gesagt ein gutes Gefühl zu wissen, dass die “Guten” aktiv auf Jagd sind.

Fazit – Geduld zahlt sich aus

Natürliche Schädlingskontrolle im Indoor-Dschungel wirkt am Anfang manchmal langsam, ist aber enorm lohnend. Mit der Zeit stellst du fest, dass biologische Lösungen Schädlinge sehr effektiv reduzieren können, während dein Zuhause sicher bleibt – für Haustiere, Kinder und dich. Es ist ein besonderes Gefühl, ein gesundes, glänzendes neues Blatt zu sehen und zu wissen: Das ist ohne einen Tropfen Gift entstanden – nur mit der Hilfe kleiner, fleißiger Verbündeter.

Wichtig ist, aufmerksam zu bleiben und Geduld zu haben. Biologische Bekämpfung arbeitet oft in Wochen statt in Stunden, aber sie durchbricht den Lebenszyklus des Schädlings nachhaltig. Und du löst nicht nur ein einmaliges Problem – du unterstützt ein kleines Wohnraum-Ökosystem, in dem Schädlinge natürlicher in Schach gehalten werden.

Meine Erfahrungen mit Rootsums Sortiment an Räubern und Nützlingen sind durchweg positiv: Ich habe Pflanzen vom Rand des Absterbens gerettet, ohne zu harten Chemikalien greifen zu müssen. Mit Nematoden, Raubmilben, Marienkäferlarven und Florfliegen kannst du deine Zimmerpflanzen schützen und gleichzeitig sicherstellen, dass deine Haustiere nie mit Pestiziden in Kontakt kommen. Am Ende zeigt biologische Schädlingskontrolle: Du musst dich nicht zwischen einem üppigen Indoor-Dschungel und einem sicheren Zuhause entscheiden – du kannst beides haben. Deine Pflanzen, deine Tiere und auch die Natur werden es dir danken.